Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich ein neues Bewusstsein für die Erhaltung der ländlichen Tracht und des bodenständigen Brauchtums.
In Oberbayern begann gegen 1883 die Gründung von Vereinen zur Erhaltung der Volkstrachten u.a. organisiert durch den Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell. Es entwickelte sich eine regelrechte Trachtenbewegung in Bayern.
Vereinsgründung 1893:
So fanden sich auch in Bad Aibling mehrere Gleichgesinnte zusammen und gründeten eine "Schuplattlergesellschaft".
Daraus entstand dann am 5. Januar 1893 der Trachtenverein "Stamm I - D´Oberlandler Bad Aibling". Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus "Zum Grafenbräu" statt und die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen.
Seither verfolgt der Verein gemäß Satzung folgende Ziele und Zwecke:
Ziele:
Die Vereinsziele sind rein kultureller Art, fern jeder politischen oder berufsständischen Bindung.
Zweck:
Der Zweck ist die Förderung und Erhaltung der heimatlichen Tracht, des heimatlichen Volkstums & Brauchtums insb. des Volksliedes, Volkstheaters sowie die Pflege und Betreuung des Tanzes, der heimischen Einrichtungsgegenstände und der Kunst und Naturdenkmäler. Den Sinn und Wert der Guten Sitte gilt es zu bewahren.
1903, zum 10-jährigen Bestehen, fand die Standartenweihe statt.
Der Verein trat dem Gauverband I bei, in dessen Auftrag er das Gaufest im Jahre 1914 ausrichten sollte, was aber durch den Kriegsausbruch verhindert wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg, welcher 15 Mitglieder für immer aus den Reihen des Vereins riß, ging es nur mühsam aufwärts. 1921 fand in Bad Aibling das große Gaufest des "Gauverband I" statt, welches wegen Ausbruchs einer Maul- und Klauenseuche 1920 nicht ausgerichtet werden konnte.
Zur Erinnerung und zum Gedenken der Gefallenen des 1.Weltkrieges wurde erstmals 1921 die Wallfahrt nach Birkenstein angetreten, bei der neben vielen Trachtenvereinen aus dem Mangfalltal und rund um den Wendelstein auch die damaligen "Oberlandler" aus Aibling teilnahmen.
Am 21. Mai 1922 wurde die erste Vereinsfahne geweiht, wobei der Trachtenverein "D´Oberlandler Neukirchen" die Patenschaft übernahm. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gab es viele Veranstaltungen im Vereinsleben, aber auch außerhalb, an denen Mitglieder der "Oberlandler" einen ordentlichen Beitrag leisteten. So trat beim 1. Preissingen für Oberbayerische Volkslieder in Egern am Tegernsee 1930 ein Männerdreigesang der Aiblinger auf und brachte eine gute Platzierung mit nach Hause.
Ein großes Ereignis für den Verein, aber auch für die Stadt Bad Aibling war das 40-jährige Gründungsfest der "Oberlandler" im Jahre 1933.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden fast alle aktiven Trachtler zur Wehrmacht eingezogen und mußten ihre schöne Heimattracht mit der grauen Felduniform tauschen. Sieben Vereinsmitglieder kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück.
Nach Beendigung der Kriegshandlungen, die viele Opfer und Beeinträchtigungen nach sich zogen und unter dem Druck der amerikanischen Besatzungsmacht, die sämtliche Vereinigungen bis auf weiteres verbot, kam es zu einer acht Monate dauernden Pause, bevor sich wieder ein aktives Vereinsleben entfalten konnte. Aber auch dann hatte man noch damit zu tun, die Auflagen der Militärregierung zu erfüllen.
Beitritt zum Oberlandler Gauverband:
1946 löste sich unser Verein vom Gauverband I und trat dem "Oberlandler Gauverband" bei.
Die Gründe dafür liegen einerseits in der geographischen Nähe zu Miesbach, die besser erschien als die nach Traunstein, andererseits tragen die Aiblinger Trachtler die Miesbacher Tracht und schließlich glaubte man sich in einem kleineren Gauverband wohler zu fühlen.
Mit neuem Schwung ging es weiter und eine Jugendgruppe wurde aufgebaut, der Arbeitseifer wirkte sich aber auch noch anders aus.
Triumphzug der Trachtenbewegung:
So wurde das Oberlandler Gaufest 1951 zum ersten Male in Bad Aibling begangen und wurde zu einem Triumphzug der Trachtenbewegung, an dem ca. 5.000 Trachtler und Trachtlerinnen teilnahmen.
Das Schauspiel, wie es die Kurstadt bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte, wurde, so die Presse, von ca. 20.000 Zuschauern begleitet und von der damaligen Wochenschau von der Luft aus aufgenommen.
Ein weiterer Höhepunkt war das 60-jährige Gründungsfest, das allerdings erst 1954 gefeiert werden konnte.
Schon im Jahre 1956 wurde Bad Aibling wieder zum Versammlungsort der Trachtler aus dem Oberland. Bei diesem Gaufest brach plötzlich ein Unwetter herein und fegte einen Teil der Festhalle und der Bedachung davon. Glücklicherweise wurden dabei nur vier Personen leicht verletzt.
Die weiteren Gaufeste fanden mit großem Erfolg in den Jahren 1962, 1968, 1973, 1978, 1985, 1992, 1997 und 2016 statt.
Hervorzuheben ist, daß die Gaufeste von den Mitgliedern des Vereins zum größten Teil unter großem Einsatz selbstständig ausgerichtet wurden.
Theatergruppe des Vereins:
Um das Jahr 1958 spielte für 30 Jahre alljährlich eine Theatergruppe unseres Vereins, unter der Leitung von Wastl Bacher, erfolgreich im Kurhaus Bad Aibling Theater.
Im Jahre 1971 wurde eine zweite Fahne angeschafft und am 23. Mai feierlich geweiht. Die Patenschaft übernahmen wieder die "D´Oberlandler Neukirchen".
1973 stellen D´Oberlandler erstmals ein Kinderprinzenpaar.
Treibende Kraft dürfte der umtriebige Vorstand, Hans Waldhör, gewesen sein. Als Schuster-Meister war er in Aibling gut vernetzt. Er stattete die Prinzenpaare u.a. mit (selbstgemachten) Schuhen aus.
Truhewagen für Leonhardi ab 1980:
Auf Anregung unseres jetzigen Ehrenvorstands Hans Lipp und unter seiner Mitwirkung entstand 1980 ein Truhenwagen für die Leonhardifahrten. Planung sowie Ausführung der Schnitzarbeiten lag in den bewährten Händen von Wastl Bacher, die kunstvolle Bemalung übernahm der Aiblinger Fassmaler Hubert Bartl. Der Wagen konnte auch im gleichen Jahr in Reichersdorf und Lippertskirchen eingefahren werden. Seitdem ist der Truhenwagen bei den Leonhardifahrten in Reichersdorf und Lippertskirchen, besetzt von den Miederdirndln und Schalkfrauen, zu bewundern.
Trachtenaufmarsch in München:
Beim großen Trachtenaufmarsch 1983 in München, anläßlich der Hundertjahrfeier der Trachtenbewegung, war auch unser Verein vertreten. Einen Monat später konnte der Verein sein eigenes 90-jähriges Bestehen mit großer Festlichkeit begehen.
1988 trat die Jugendgruppe des Vereins im Rahmen einer kulturellen Veranstaltung im italienischen Fernsehen in Rom auf und präsentierte sich von der besten Seite.
1988 übernahmen zudem die "D´Oberlandler" bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins Dettendorf-Kematen die Patenschaft.
Brauchtumspflege auch im Fasching: Die Gardegründung
1990 trat erstmals die gegründete "Kindergarde" des Trachtenvereins auf, welche dem Kinderprinzenpaar zur Seite gestellt wurde. (mehr unter der Rubrik "Fasching/Garde" Link).
Die Idee zu einer Kindergarde kam von aktiven Pullacher Frauen. Die Gewänder wurden aus der Rest-Gage für einen Auftritt im italienischen Fernsehen aus einer Rom Reise finanziert und in eigener Handarbeit hergestellt.
Von nun an wuchs die Garde ständig. Es war und ist bis heute das "Zuckerl" auf die ganzjährige aktive Jugendarbeit.
Inzwischen ist die "Kindergarde" zu einer "Kinder- und Jugendgarde" geworden und ein fester Bestandteil im Fasching.
Jubiläum
Sein 100-jähriges Bestehen konnte unser Verein am 06. Januar 1993 bei der Weihnachtsfeier begehen. Am 24. April 1993 fand im Kurhaus der Festabend statt und den Festtag mit Messe und Trachtenzug feierte man im Kreis der Gaugruppe Miesbach und der 18 Trachtenvereine des Altlandkreises Bad Aibling am 6. Juni 1993.
2013 feierte unser Verein sein 120-jähriges Bestehen im kleinen Rahmen im Ortsbereich Willing/Mitterham mit einem Feldgottesdienst und einem Festprogramm am Gmoahof in Willing.
Im Juni 2018 fand das große Jubiläumsfest zum 125jährigen Bestehen des Vereins und der Weihe einer neuen Vereinsfahne im Festzelt im Süden von Willing statt.
Über 5 Tage wurde das Vereinsbestehen gefeiert. Der Festgottesdienst fand auf der "Mesner-Wiese" neben der Kirche statt.
Anzufügen bleibt noch, dass unser Verein ein ausgefülltes Jahresprogramm besitzt.
Beginnend mit der traditionellen Weihnachtsfeier/Christbaumversteigerung am Vorabend zum Hl.-Drei-König-Tag, den Faschingsveranstaltungen mit Dorfball, Kinderfasching im Kurhaus, dem Kinderprinzenpaar mit der Kinder- und Jugendgarde (Link Fasching/Garde) und der Teilnahme am Faschingszug bis hin zu "Boarisch draussn" im Kurpark im Rahmen der Kulturveranstaltungen von Bad Aibling und einem Jugendhoagascht in Willing.
Impressionen finden Sie unter "Bilder/Aktivitäten".
Ein Fest für Jung & Alt im Herzen von Bad Aibling:
Seit 2015 hat unser Verein mit dem Bruderverein Edelweiß Bad Aibling das beliebte "Irlachweiherfest" im Herzen des Bad Aiblinger Kurparks ins Leben gerufen, welches von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird.
Zudem erstreckt sich der Teilnahmebereich auch auf das Bürgerfest in Bad Aibling und dem Volksfestaufzug der Stadt Bad Aibling. Das Mitwirken bei der Trachtenwallfahrt nach Birkenstein, am Trachtenjahrtag zum Gedenken der Verstorbenen des Vereins in Bad Aibling und Willing, dem Bittgang nach Kleinhöhenrain und der Teilnahme an der Fronleichnamsprozession, dem Kirchenpatrozinium und anderen kirchlichen Feiertagen sind Ehrensache.
Zudem nimmt der Verein am jährlichen Gaufest des Oberlandler Gauverbandes und an verschiedenen Trachtenfesten im Umkreis teil.
Der Verein ist Mitglied der 18 Trachtenvereine des Altlandkreises Bad Aibling und der Gauuntergruppe Miesbach, wobei auch hier die Aktivitäten der Aiblinger Oberlandler gefordert sind.
Unsere Plattlergruppe ist seit Jahren bei den Wertungsplatteln im Gau und der Gauuntergruppe gut vertreten. Aufgrund jahrzehntelanger hervorragender Jugendarbeit hat der Verein eine ansehnliche Kinder- Jugend- und Aktivengruppe deren Zusammenhalt mit verschiedenen Aktivitäten gefördert wird auf diese ein großes Augenmerk gelegt wird.
Der Verein hat zur Zeit einen Mitgliederstand von ca. 400 Mitgliedern.
Angeschlossen ist die Willinger Musi und viele Musik- und Gesangsgruppen die sich aus dem eigenen Vereinsleben etabliert haben. Sie sind fester Bestandteil bei öffentlichen und internen kulturellen und geselligen Veranstaltungen des Vereins.
(Stand 01/2019)
Ein Gebäude zur Unterbringung des Vereinsinventars konnte aus eigenen Mitteln und unter arbeitsreichem Einsatz der Vereinsmitglieder in den Jahren 1995 und 1996 erbaut werden.
Ein aktives Vereinsleben und der gute Zusammenhalt der Mitglieder läßt uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Alois Mayer (Gründungsvorstand) |
1893 |
Sepp Niggl |
1893 - 1899 |
Alois Hofer |
1899 - 1906 |
Fortuna Knapp |
1906 - 1907 |
Sepp Kinzinger |
1907 - 1908 |
In der Zeit zwischen |
1908 - 1914 |
Hans Benkert |
|
Sepp Gmeiner |
|
Anderl Lautner |
|
Georg Steinbeißer |
1914 - 1921 |
Hans Schmid |
1921 - 1924 |
Hausl Schmotz |
1924 - 1928 |
Hans Schmid |
1928 - 1936 |
Michael Kornbichler |
1936 - 1939 |
Sepp Kirner |
1939 - 1946 |
Michael Kornbichler |
1946 - 1949 |
Hans Schmid |
1949 - 1950 |
Hans Waldhör |
1950 - 1954 |
Hans Schönbauer |
1954 - 1955 |
Hans Waldhör |
1955 - 1971 |
Siegfried Stadler |
1971 - 1973 |
Helmut Waldner |
1973 - 1976 |
Hans Lipp |
1976 - 1996 |
Helmut Neumeyer |
1996 - 1999 |
Matthias Stadler |
1999 - 2021 |
Thomas Schmid 2021-