Chronik

1. Vereinsfoto

Wie alles begann

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich ein neues Bewußtsein für die Erhaltung der ländlichen Tracht und des Bodenständigen Brauchtums. So fanden sich in Bad Aibling mehrere Gleichgesinnte  zusammen und gründeten eine "Schuplattlergesellschaft". Daraus entstand dann am 5. Januar 1893 der Trachtenverein  "Stamm I D´Oberlandler Bad Aibling". Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus "Zum Grafenbräu" statt und die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen.

Vorstand         Alois Mayer               Säcklermeister

Kassier            Josef Niggl                Gastwirt

Schriftführer   Max Zierer                 Malergehilfe

Beisitzer          Georg Krieger           Seilermeister

Beisitzer          Hans Benkert            Beindreher

1903, zum 10-jährigen Bestehen fand die Standartenweihe statt. Der Verein trat dem Gauverband I bei, in dessen Auftrag er das Gaufest im Jahre 1914 ausrichten sollte, was aber durch den Kriegsausbruch verhindert wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg, welcher 15 Mitglieder für immer aus den Reihen des Vereins riß, ging es nur mühsam aufwärts. 1921 fand in Bad Aibling das große Gaufest des "Gauverband I" statt, welches wegen Ausbruchs einer Maul- und Klauenseuche 1920 nicht ausgerichtet werden konnte.

Zur Erinnerung und zum Gedenken der Gefallenen des 1. Weltkrieges wurde erstmals 1921 die Wallfahrt nach Birkenstein angetreten, bei der neben vielen Trachtenvereinen aus dem Mangfalltal und rund um den Wendelstein auch die damaligen "Oberlandler" aus Aibling teilnahmen. Am 21. Mai 1922 wurde eine neue Fahne geweiht, wobei der Trachtenverein "D´Oberlandler Neukirchen" die Patenschaft übernahm. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gab es viele Veranstaltungen im Vereinsleben, aber auch außerhalb, an denen Mitglieder der "Oberlandler" einen ordentlichen Beitrag leisteten. So trat beim 1. Preissingen für Oberbayrische Volkslieder in Egern am Tegernsee 1930 ein Männerdreigesang der Aiblinger auf und brachte eine gute Platzierung mit nach Hause.  

  Oberlandler Männer-Dreigsang

Die 1. neue Fahne

Ein großes Ereignis für den Verein, aber auch für die Stadt Bad Aibling war das 40-jährige Gründungsfest der "Oberlandler" im Jahre 1933. Während des Zweiten Weltkrieges wurden fast alle aktiven Trachtler zur Wehrmacht eingezogen und mußten ihre schöne Heimattracht mit der grauen Felduniform tauschen.

Sieben Vereinsmitglieder kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Nach Beendigung der Kriegshandlungen, die viele Opfer und Beeinträchtigungen nach sich zogen und unter dem Druck der amerikanischen Besatzungsmacht, die sämtliche Vereinigungen bis auf weiteres verbot, kam es zu einer acht Monate dauernden Pause, bevor sich wieder ein aktives Vereinsleben entfalten konnte. Aber auch dann hatte man noch damit zu tun, die Auflagen der Militärregierung zu erfüllen. 1946 löste sich unser Verein vom Gauverband I und trat dem "Oberlandler Gauverband" bei. Die Gründe dafür liegen einerseits in der geographischen Nähe zu Miesbach, die besser erschien als die nach Traunstein, andrerseits tragen die Aiblinger Trachtler die Miesbacher Tracht und schließlich glaubte man sich in einem kleineren Gauverband wohler zu fühlen.

Mit neuem Schwung ging es weiter und eine Jugendgruppe wurde aufgebaut, der Arbeitseifer wirkte sich aber auch noch anders aus. So wurde das Oberlandler Gaufest 1951 zum ersten Male in Bad Aibling begangen und wurde zu einem Triumphzug der Trachtenbewegung, an dem ca. 5000 Trachtler und Trachtlerinnen teilnahmen.  

Das Schauspiel, wie es die Kurstadt bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte, wurde, so die Presse, von ca. 20000 Zuschauern begleitet und von der damaligen Wochenschau von der Luft aus aufgenommen. Ein weiterer Höhepunkt war das 60-jährige Gründungsfest, das allerdings erst 1954 gefeiert werden konnte.

Schon im Jahre 1956 wurde Bad Aibling wieder zum Versammlungsort der Trachtler aus dem Oberland. Bei diesem Gaufest brach plötzlich ein Unwetter herein und fegte einen Teil der Festhalle und der Bedachung davon. Glücklicherweise wurden dabei nur vier Personen leicht verletzt. Die weiteren Gaufeste fanden mit großem Erfolg in den Jahren 1962, 1968, 1973, 1978, 1985, 1992 und 1997 statt.  

Hervorzuheben ist, daß die letzten vier Gaufeste von den Mitgliedern des Vereins unter großem Einsatz selbstständig ausgerichtet wurden. Im Jahre 1971wurde eine zweite Fahne angeschafft und am 23. mai feierlich geweiht. Die Patenschaft übernahmen wieder die "Oberlandler Neukirchen". Mit einer würdigen Feier wurde am 18. August 1974 ein neues Kreuz am Pranseck eingeweiht, welches durch die Spenden der Mitglieder unseren Vereins errichtet werden konnte.

Auf Anregung unsers Vorstands Hans Lipp und unter seiner Mitwirkung entstand 1980 ein Truhenwagen für die Leonhardifahrten. Planung sowie Ausführung der Schnitzarbeiten lag in den bewährten Händen von Wastl Bacher, die kunstvolle Bemalung übernahm der Aiblinger Fassmaler Hubert Bartl. Der Wagen konnte auch im gleichen Jahr in Reicherstdorf und Lippertskirchen eingefahren werden.

Beim großen Trachtenaufmarsch 1983 in München anläßlich der Hundertjahrfeier der Trachtenbewegung war auch unser Verein vertreten. Einen Monat später konnte der Verein sein eigenes 90-jähriges Bestehen mit großer Festlichkeit begehen. 1988 trat die Jugendgruppe des Vereins im Rahmen einer kulturellen Veranstaltung im italienischen Fernsehen in Rom auf und präsentierte sich von der besten Seite.

Im gleichen Jahr übernahmen die "Oberlandler" bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins Dettendorf-Kematen die Patenschaft.

Sein 100-jähriges Bestehen konnte unser Verein am 6.Januar 1993 bei der Weihnachtsfeier begehen. Am 24. April 1993 fand im Kurhaus der Festabend statt und den Festtag mit Messe und Trachtenzug feierte man im Kreis der Gaugruppe Miesbach und der 18 Trachtenvereine des Altlandkreises Bad Aibling am 6. Juni 1993.

Anzufügen bleibt noch, daß unser Verein ein ausgefülltes Jahresprogramm besitzt. Beginnend mit der traditionellen Weihnachtsfeier am Hl.-Drei-König-Tag und den Faschingsveranstaltungen, bis zum ersten der üblicherweise vier Heimatabende im Kurhaus, die über das Jahr verteilt sind, erstreckt sich der Teilnahmebereich auch auf das Bürgerfest und das Parkfest sowie auch zum Volksfestaufzug der Stadt Bad Aibling. Das Mitwirken bei der Trachtenwallfahrt in Birkenstein, am Trachtenjahrtag zum gedenken der Verstorbenen des Vereins in Bad Aibling und am Bittgang nach Kleinhöhenrain sind Ehrensache. Der Verein ist Mitglied der 18 Trachtenvereine des Altlandkreises Bad Aibling und der Gauuntergruppe Miesbach, wobei auch hier die Aktivitäten der Aiblinger Oberlandler gefordert sind.

Unsere Plattlergruppe ist seit Jahren bei den Wertungsplatteln im Gau und der Gauuntergruppe unter den vorderen Plätzen vertreten. Aufgrund jahrzehntelanger Jugendarbeit hat der Verein stets eine ansehnliche Jugendgruppe und damit keine Nachwuchssorgen.

Über 30 Jahre spielte alljährlich eine Theatergruppe unseres Vereins unter der Leitung von Wastl Bacher erfolgreich im Kurhaus Bad Aibling Theater.

Der Verein hat zur Zeit einen Mitgliederstand von 310 Mitgliedern. Angeschlossen ist die Willinger Musi (Blaskapelle), die Oberlandler Stubnmusi, die Gernbach Zithermusi, das Willinger Gitarrentrio und die Willinger Sänger. Sie sind fester Bestandteil bei öffentlichen und internen kulturellen und geselligen Veranstaltungen des Vereins.

Ein Gebäude zur Unterbringung des Vereinsinventars konnte aus eigenen Mitteln und unter arbeitsreichem Einsatz der Vereinsmitglieder in den Jahren 1995 und 1996 erbaut werden. Ein aktives Vereinsleben und der gute Zusammenhalt der Mitglieder läßt uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Zum Schluß sei noch allen gedankt für die Mithilfe bei der Entstehung dieser Vereins-Chronik.

 

Vorstände der "Oberlandler Bad Aibling"

Gründungsvorstand

Alois Mayer

1893

Sepp Niggl

1893 - 1899

Alois Hofer

1899 - 1906

Fortuna Knapp

1906 - 1907

Sepp Kinzinger

1907 - 1908

In der Zeit zwischen

1908 - 1914

 Hans Benkert

 

 Sepp Gmeiner

 

 Anderl Lautner

 

 Georg Steinbeißer

1914 - 1921 

 Hans Schmid

1921 - 1924

 Hausl Schmotz

1924 - 1928 

 Hans Schmid

1928 - 1936

 Michael Kornbichler

1936 - 1939 

 Sepp Kirner

1939 - 1946

 Michael Kornbichler

1946 - 1949 

 Hans Schmid

1949 - 1950 

 Hans Waldhör

1950 - 1954 

 Hans Schönbauer

1954 - 1955 

 Hans Waldhör

1955 - 1971 

 Siegfried Stadler

1971 - 1973 

 Helmut Waldner

1973 - 1976 

 Hans Lipp

1976 - 1996 

 Helmut Neumeyer

1996 - 1999 

 Matthias Stadler

1999 -

 


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